Der Glaube im täglichen Leben

Tod und Begräbnis
Der Tod ist für alle Menschen von einschneidender Bedeutung. Deshalb wird das Begräbnis gesellschaftlich und meist auch religiös begangen. Im Islam finden wir ein ausgeprägtes Brauchtum. Die Mehrheit der Muslime legen Wert auf ein islamisches Begräbnis, auch wenn sie nicht allzu religiös leben. Wenn ein Muslim stirbt, sollte ihm wie bei der Geburt von einem Muslim der Azan ins Ohr geflüstert werden. Das ist das erste und letzte, was ein Muslim hören sollte. Deshalb muss im Spital bei sterbenden Muslimen unbedingt ein Muslim diese religiöse Pflicht erfüllen. Sofort nach dem Tod wird der Leichnam gewaschen. Diesen Liebesdienst versehen wenn immer möglich die nächsten Angehörigen. Die Leiche wird in ein weisses Tuch eingewickelt. In den meisten islamischen Ländern wird kein Sarg verwendet und die Leiche nur mit dem Leichentuch umhüllt begraben. Vor dem Begräbnis wird das Totengebet verrichtet. Das Grab sollte so angelegt werden, dass der Tote mit dem Gesicht in Richtung von Mekka liegt. Ein Stein auf dem Grab ist nicht nötig, ein grosses Grabmal wird abgelehnt. Nach dem islamischen Gesetz wird die fortwährende Grabesruhe verlangt. Das heisst, das Grab darf nicht aufgehoben werden. In dieser Frage gehen allerdings die Meinungen auseinander. Nach dem Beispiel der Riesenstadt Kairo sollten auch muslimische Gräber mehrfach genutzt werden können, sofern die noch vorhandenen Gebeine ausreichend mit Erde überdeckt werden oder im Grab beiseite geschoben verbleiben.

Immer noch werden die meisten Leichen in die jeweilige Heimat gesandt. Dies ist mit hohen Kosten verbunden. Es gibt Sterbekassen, die wie eine Versicherung funktionieren: Alle Einleger bezahlen jährlich einen Beitrag. Im Todesfall übernimmt die Kasse die Transportkosten. Falls keine Sterbekasse vorhanden ist, wird gesammelt.

Die bosnisch-muslimischen Vereine in der Schweiz haben gemeinsam einen Leichenwagen gekauft, mit dem sie Verstorbene in ihre Heimat transportieren.

In Zusammenarbeit mit der Basler Muslim-Kommission wurde auf dem Friedhof am Hörnli vom Kanton Basel-Stadt ein Grabfeld für Muslime bereit gestellt. Dort ist es möglich, die Gräber so anzulegen, dass die Toten mit dem Gesicht gegen Mekka liegen. Für die islamische Leichenwaschung steht ein Raum zur Verfügung. Leider gibt es bis jetzt noch keine Aufenthalts- und Gebetsräume. Für die Zukunft sind besser geeignete Räumlichkeiten vorgesehen.

Das Grabfeld wurde am 14. Juni 2000 offiziell eröffnet. Zur Zeit (August 2002) sind bereits drei Gräber belegt.

[int.Nr.: 21e26]

Aktualisiert: cpb /22.10.2002