Der Glaube im täglichen Leben

Frau, Mann, Familie
Traditionell ist in islamischen Ländern und in Asien die Gesellschaft auch heute noch in eine Männer- und eine Frauenwelt geteilt. Dies macht sich auch bei uns bemerkbar. Ausserdem gibt es nach Koran und Sunna Vorschriften über das Verhältnis der Geschlechter, die von gläubigen Muslimen sehr ernst genommen werden.

Der Kontakt zwischen Männern und Frauen, die nicht verwandt sind, ist auf ein absolutes Minimum beschränkt. So sollten ein Mann und eine Frau nicht allein im gleichen Raum sein. Dies kann am Arbeitsplatz Probleme geben. Wenn der IWB-Mann kommt, um den Stromzähler abzulesen, oder ein Monteur, um eine Reparatur auszuführen, sollte eine zweite Frau, der eigene Mann oder ein Kind anwesend sein, damit der Fremde in die Wohnung gelassen werden kann.

Eine Begrüssung mit Handschlag zwischen Mann und Frau wird möglichst umgangen, weil sich Nichtverwandte nicht berühren sollen. Dies wird von Nicht-Muslimen oft als Mangel an Anstand missverstanden.

Für Männer und Frauen gibt es spezielle Kleidervorschriften. Beide Geschlechter sollen keine figurbetonte Kleidung tragen. Männern ist das Tragen von Goldschmuck und Seide verboten. Frauen dürfen ihre Haare nur ihren engsten Familienangehörigen zeigen. Ausser den Händen und dem Gesicht muss der ganze Körper bedeckt sein. Deshalb tragen viele muslimische Frauen ein Kopftuch und bodenlange Mäntel. Das Kopftuch wirkt für uns oft wie das berühmte rote Tuch für den Stier. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass auch Schweizerinnen besonders auf dem Land ein Kopftuch trugen.

Das Verhältnis der Geschlechter ist stark von der jeweiligen lokalen Kultur abhängig. So gilt zum Beispiel bei bosnischen Muslimen ein lockeres, unverkrampftes Verhältnis zwischen Männern und Frauen, während bei türkischen Muslimen die Männer- und die Frauenwelt klar getrennt sind.

[int.Nr.: 21e19]