«Multinational» oder National?

Im Zusammenhang mit der drohenden Schliessung des islamischen Zentrums an der Friedensgasse wurde dieses als «interkulturelles» und «internationales» Zentrum bezeichnet. Wenn die Nationalitäten der Besucher betrachtet werden, stimmt dies sicher. Allerdings ist die Zusammensetzung nicht so heterogen, wie es auf den ersten Blick erscheint. Ein sehr grosser Teil der Besucher ist nämlich arabischer Muttersprache. Die einzige grössere Gruppe, die nicht arabischer Muttersprache ist, ist die der Albaner.

In der Praxis der islamischen Zentren stossen zwei Fakten aufeinander.

Auf der einen Seite wird die «Umma, die Gemeinschaft aller Muslime, die durch den Islam zusammengehalten wird und über Abstammung, Verwandtschaft, Rasse und Status hinausgeht» betont. [Ahmad von Denffer: Kleines Wörterbuch des Islam. Lützelbach 2. Auflage 1994 / 1406. S. 164.]

Alle Muslime sind in allen Moscheen zum Gebet willkommen.

Auf der andern Seite sind die Mescid aber nach Sprachen getrennt.

Das Freitagsgebet (Cuma) ist für Muslime der Hauptgottesdienst der Woche. Wer irgend kann, besucht ihn. Ein wichtiger Bestandteil ist die Predigt, die jeweils in der Landessprache gehalten wird. Deshalb sind der Multinationalität enge Grenzen gesetzt. Dass Anderssprachige einer Predigt zuhören, die sie nicht verstehen, ist doch eher die Ausnahme.

Auch beim allfälligen Teetrinken vor oder nach dem Freitagsgebet ist meistens nur eine Sprache zu hören. So gibt es eine Trennung nach Sprachen.

Der vor allem aus «interreligiösen Kreisen» geäusserte Wunsch, dass alle Muslime der Gegend sich in einer einzigen grossen Moschee versammeln sollten, geht unter anderem aus sprachlichen Gründen an der Realität vorbei.

[int.Nr.: 21e10]