Sufismus

Sufi-Orden

Schon in früher Zeit gab es einzelne Muslime, die auf mystischem Weg die Vereinigung mit Gott suchten. Mit der Zeit entstanden Orden, die verschiedene Meditationstechniken entwickelten. Allen ist gemeinsam, dass sie davon ausgehen, dass sich der Mensch auf einer Reise befindet, deren Ziel das Aufgehen in Gott ist [Kleines Wörterbuch des Islam. S. 157].

«Die meisten Sufi-Pfade offerieren Schülern eine fortschreitende Entschleierung des Herzensauges, was durch die Übung des Dhikr, die Erinnerung an Allah, erreicht wird. Diese spirituellen Übungen können verschiedene der Heiligen Namen des Herrn und andere spirituell wirksame Formeln enthalten. Einige von ihnen beinhalten Praktiken, die geeignet sind, die Grenze der weltlichen Wahrnehmung aufzubrechen und den Übenden in einen Zustand andersartigen Bewusstseins zu versetzen.» [’Abdullâh ad-Daghistani: Der Naqschibandi-Weg. Ein Führungsbuch für die geistige Entwicklung Mit einer Einleitung und Kommentaren von Scheich Nazim. Bonndorf 1995. S. 9].

Ein Orden oder Tariqat – Weg, Pfad – wird von einem Scheich geleitet, der seine Anhänger und Anhängerinnen auf ihrem mystischen Weg anleitet. Das Verhältnis zum Scheich kann locker sein.

Zusätzlich zu den fünf Säulen pflegen die Sufis weitere individuelle und Gemeinschaftsgebete zu verrichten oder sich in Klausuren zurückzuziehen. Die wichtigste Form der Meditiation ist der Zikr (oder Dhikr geschrieben), bei dem Namen Gottes und heilige Formeln während längerer Zeit wiederholt werden. Jeder Orden hat eigene Techniken, die sich von Orden zu Orden mehr oder weniger stark unterscheiden. Während die einen bei ihren Zusammenkünften still im Kreis sitzen und jeder für sich die Gebete oder Formeln nur innerlich spricht, pflegen andere diese laut und oft mit Körperbewegungen unterstützt zu wiederholen. Manchmal kommen Atemübungen dazu. Im Extremfall «tanzen» Sufis, wie zum Beipiel die «Wirbelnden Derwische».

Andere Muslime sehen bei Sufis eine Tendenz, ausserislamische Elemente aufzunehmen. Deshalb werden sie oft argwöhnisch beobachtet.

Manche Sufi-Orden erreichten einen grossen Einfluss auf die Gesellschaft und die Politik. Dies war einer der Gründe, warum die Tariqat in der Türkei verboten wurden. Deshalb treten türkische Sufis kaum öffentlich in Erscheinung.

Die meisten Sufi-Gruppen wirken im Verborgenen. Sie missionieren kaum und laden höchstens Aussenstehende gelegentlich zu einem Vortrag ihres Scheichs ein.

[int.Nr.: 111]