Der Glaube und die geschichtliche Entwicklung

Die jüdische Religion ist eine der ältesten Religionen und gilt als die Mutter des Christentums. Aus den gleichen Wurzeln entstand auch der Islam. Allen drei Religionen gemeinsam ist der Monotheismus, der Glaube an einen alleinexistierenden und alleinwirkenden Gott.

Juden erwarten den Messias und das Gericht am Ende der Zeiten.

Die jüdische Religion ist noch viel mehr als das Christentum und der Islam Lebensweise und formt das ganze Leben ihrer Angehörigen. Sie erstrebt eine auf dem geoffenbarten göttlichen Willen basierende Lebensführung und Lebensanschauung. Basis sind die Tora (die fünf Bücher Moses) sowie die Psalmen und die geschichtlichen und prophetischen Bücher, die in ihrer Gesamtheit von Christen als «Altes Testament» bezeichnet werden.

Juden glauben wie Christen und Muslime, dass die Welt und die ganze Schöpfung das Werk Gottes sind. Dieser Glaube wird ausgedrückt mit «Höre Israel, der Ewige unser Gott, ist Gott der einzig Eine» (Deut. 6, 4). Abraham gilt als Stammvater Israels, mit dem Gott einen Bund schloss. «Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus dem Lande Ägypten, aus dem Sklavenhause, herausgeführt habe», so beginnen die Zehn Gebote, die die Grundlage eines ethischen Lebens bilden. In der Tora sind 613 religiöse Pflichten aufgeführt, die eingehalten werden sollen.

Israel, das gelobte Land

Das Land Israel ist eng verbunden mit dem Glauben und Hoffen des jüdischen Volkes. Das Volk zog vor etwa 3800 Jahren, geführt von Gott, nach einem sehr langen Aufenthalt in Ägypten nach Israel. Es ist «das gelobte Land», weil es nach Deut. 34,4 versprochen wurde. Obwohl die Israeliten mehrmals aus Israel vertrieben wurden, wurde es nie völlig von ihnen verlassen. Auch nach der Zerstörung des Tempels und der Auflösung des Reiches durch die Römer im Jahre 70 und der damit verbundenen Zerstreuung des jüdischen Volkes in alle Winde, blieb ein kleiner Rest in Israel. Die Übrigen träumten von der Rückkehr in das gelobte Land. Dieser Traum fand 1897 mit dem ersten Zionistenkongress in Basel seinen politischen Widerhall und 1947 mit der Errichtung des heutigen Staates Israel die Realisation. Damit wurde die Einwanderung nach Israel für Juden erstmals wieder ohne Probleme möglich. Die jüdischen Gemeinden in Basel sehen dies mit einem lachenden und einem tränenden Auge, weil gerade die engagierten Jungen nach Israel auswandern und so ein wichtiger Teil des Nachwuchses fehlt.

Daten zur Geschichte der Juden in Basel

12. Jahrhundert erste jüdische Gemeinde. Die Synagoge war am Rindermarkt, der heutigen Unteren Rebgasse.

1349 am Freitag, 16. Januar wurde die jüdische Bevölkerung Basels als Folge der Beschuldigungen, während der Pestzeit die Brunnen vergiftet zu haben, in einem Holzhäuschen auf einer Birsinsel verbrannt.

1362 zweite jüdische Gemeinde entsteht. Die Synagoge war am Grünfahlgässlein 1.

1397 zweite jüdische Gemeinde aufgelöst; Juden fliehen aus Angst vor Verfolgung folgende Zeitnur vereinzelte jüdische Bewohner

1798 durch die französische Revolution gibt es eine liberalere Nieder- lassungspraxis, so dass sich wieder Juden in Basel niederlassen. Die Gottesdienste fanden in einer Privatwohnung am Schlüsselberg 3 statt. Nach verschiedenen weiteren Provisorien wurde am Unteren Heuberg 403 (heute Nr. 21) die erste eigentliche Synagoge in Basel am 4. September

1850 eingeweiht.

1805 Gründung der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB)

1868 am 9. September wurde die Synagoge Ecke Leimenstrasse / Eulerstrasse eingeweiht.

1872 erstmals Aufnahme von Juden in das Basler Bürgerrecht.

1889 Schächtverbot in die Bundesverfassung.

1892 am 15. September wurde die vergrösserte Synagoge Ecke eingeweiht.

1897 1. Zionistenkongress in Basel.

1906 Bau der kleinen Synagoge.

1909 am 19. Dezember Eröffnung der kleinen Synagoge.

1927 Gründung der zweiten jüdischen Gemeinde, der Israelitsichen Religionsgesellschaft (IRG).

1973 Die IGB erhält als erste jüdische Gemeinde in der Schweiz nach einer Volksabstimmung die Anerkennung als öffentlich-rechtliche Körperschaft

1987 am 22. August erster Gottesdienst in der neu renovierten Synagoge.

1997 100-Jahr-Feier zur Erinnerung des 1. Zionistenkongress in Basel

[int.Nr.: 20e1]