Quäker («Religiöse Gesellschaft der Freunde»)

Kontakt
Schreiberin der Gruppe Basel: Ursula Schuppli, Obere Wenkenhofstrasse 29, 4125 Riehen. Telefon 061 601 72 57.

Geschichte
Begründung im turbulenten 17. Jahrhundert durch George Fox: Erneuerung des christlichen Glaubens durch Besinnung auf das Wesentliche. Keine formellen Sakramente wie Taufe oder Abendmahl. Einheit von Leben und Glauben. Kein formelles Glaubensbekenntnis. Als Gottesdienstform die Stille Andacht. Konsequentes Laienpriestertum. Die christliche Grundhaltung: Gewaltlosigkeit. Der Kern ihrer Religiosität ist der Glaube an das Innere Licht, «Das von Gott in jedem Menschen», wie es Jesus vorlebte: einfaches Leben im Einklang mit der Umwelt. Als Gegengewicht zum mystischen Glauben schuf der Schuhmacher Fox eine einfache, aber strikt eingehaltene wahrhaft demokratische Organisation von der Basis nach «oben»: Monatsversammlung (Gemeinde): die sonntägliche Andacht als Kern. Quartalsversammlung (Region). Jahresversammlung als «höchste Instanz» eines Landes. Heute zusätzlich rege internationale Beziehungen / Konferenzen der verschiedenen Jahresversammlungen in aller Welt.

Anfänglich wurden die «Freunde» von Staat und Kirche verfolgt. Der adlige William Penn gründete darum die Kolonie Pennsilvanien als Quäkersaat in Amerika. Bekannt wurden Quäker als soziale Pioniere (Reformen und Friedens- und Versöhnungsarbeit). In Amerika erfolgte eine Spaltung. Dort entstanden mehrheitlich «programmed meetings» mit Pastoren, Gesang im Gottesdienst und Missionsarbeit. So bestanden in Philadelphia zwei separate Jahresversammlungen, die aber gemeinsam das American Friends Service Commitee aufbauten. Dieser Organisation und dem englichen Quäkerhilfswerk wurde 1947 der Friedens-Nobelpreis zugesprochen.

In der Schweiz gelangte das Quäkertum über den Zivildienst (Pièrre Ceresole), die religiös Sozialen (Leonhard Ragaz) und individuelle persönliche Kontakte. Es entstanden ein paar lokale Gruppen, deren Mitglieder bis zum zweiten Weltkrieg der englischen Gesellschaft der Freunde (London Yearly Meeting) angeschlossen waren. Eine eigene Jahresversammlung nach englischem Vorbild mit ca. 100 Mitgliedern wurde dann gegründet: Gruppen in Genf (als Sitz vieler internationaler Organisationen grosser Bestand an angelsächsischen Freunden), Montreux, Lausanne, Zürich, Bern, Basel. Die Jahresversammlung ist dreisprachig orientiert: deutsch, französisch, englisch. Die Frage des Pazifismus (Militärdienstverweigerung war kriminalisiert) hemmte die Entwicklung in der Schweiz beträchtlich.

Welt: 304 000.

Schweiz: 120.

Basel: 10 «Freunde» (Mitglieder), ca. 10 bis 15 «Freunde der Freunde».

In der Schweiz stagnierend; starke Überalterung.

Lehre
Selbstdarstellung:
«Zentrum des Quäkerlebens ist die Stille Andacht, in der alle Teilnehmer berechtigt sind, das Schweigen zu brechen. So ist jeder für den 'Gottesdienst' mitverantwortlich. Trotz dieses hohen Anspruchs sind die Freunde auch 'nur' Menschen – und sie fühlen sich nicht als etwas Besonderes, Auserwähltes. Die Vorstellung, dass in jedem Menschen etwas von Gott wirksam sein kann, lässt sich schwer in Worte fassen. So ist es nicht möglich, in wenigen Sätzen die Lehre darzustellen, weil es keine verbindlichen Formulierungen gibt. Am ehesten ist mit dem Leitmotiv der englischen Zeitschrift 'The Friend' gedient (eine Maxime des Augustinus):

Im Wesentlichen Einheit. Im Unwesentlichen Freiheit. Über allem aber LIEBE.

In essentials unity. In non-essentials liberty. Above all CHARITY.

Liebe (Nächstenliebe?) als Übersetzung des englischen charity tönt für alemannische Ohren sentimental, aber charity ist die Quelle all ihrer sozialen Pionierleistungen: Jeder Mensch ist Gottes Kind! Abschaffung der Sklaverei. Gefängnisreform (sie kannten Gefängnisse aus eigenem Erleben). Menschliche Behandlung der Geisteskranken statt Anketten. Vorbildliche Arbeitsbedingungen in Fabriken. Erwachsenenbildung. Gründung von Gartenstädten für die Industriearbeiter. Pazifismus, Alternativen für Militärdienstverweigerer statt Gefängnisstrafen. Versöhnungsarbeit (Freunde organisierten im Bombenhagel des 'Blitz' Kurse für die Hilfsarbeit nach dem Krieg!).

Das Quäkertum hat sich im Verlauf der Jahrhunderte gewandelt: von einer streng puritanischen Bewegung mit Kleidervorschriften und dem Verbot von einer Heirat ausserhalb der 'Gesellschaft der Freunde' zu einer sozial anerkannten weltoffenen Glaubensgemeinschaft ohne Sektiererei. Die Quäker sind 'nüchterne Mystiker'. Ihre zutiefst fromme (im Sinne von Albert Schweitzers Ehrfurcht vor dem Leben) aber niemals fundamentalistische Haltung ist einfach. Die Mühe etlicher Mitchristen, eine Gemeinschaft ohne formelles Glaubensbekenntnis und ohne die Sakramente Taufe und Abendmahl als christlich anzuerkennen, bereitet ihnen selber keinen Kummer. Das römische SACRAMENTUM war Diensteid oder Kriegsdienst. Jesus wusch seinen Jüngern die Füsse und nicht den Kopf (oder gar das Gehirn).»

Grösstmögliche Offenheit gegenüber allen Religionsgemeinschaften.

Organisation, Finanzen
Die Gruppe Basel gehört zur Schweizer Jahresversammlung, die ein Verein nach ZGB ist. Ein wichtiger Unterschied zu fast allen Vereinen besteht darin, dass es keine demokratischen Beschlüsse, sondern nur Konsensentscheide gibt. Alle Entscheide in der «Gesellschaft der Freunde» (offizielle Bezeichnung) erfolgen durch Konsens ohne Abstimmung. Dieser extrem demokratische Grundsatz erschwert zwar die Beschlussfassung, gibt aber Beschlüssen ein grösseres Gewicht: sie werden von der ganzen Gemeinschaft getragen.

Eine «Schreiberin» oder ein «Schreiber» führt die Geschäfte der Gruppe und zu Versammlungen ein. Alle «Freunde» (Mitglieder; Männer und Frauen) sind gleichberechtigt. Es gibt keinerlei Priesterschaft. Jede Frau und jeder Mann kann nach einer gewissen Zeit als «Freund der Freunde» Antrag auf Mitgliedschaft stellen, die an der Schweizerischen Jahresversammlung bestätigt wird. Doppelmitgliedschaft mit einer Kirche ist möglich.

Jahresbeitrag an die Schweizerische Jahresversammlung nach den finanziellen Möglichkeiten.

Zentrale Verwaltung; offene Jahresrechnung. Alle Ämter ehrenamtlich.

Der grösste Teil des Geldes wird zur Unterstützung von humanitären und pazifistischen Aktivitäten verwendet.

Die Basler Gruppe erhebt an ihren Zusammenkünften eine Kollekte für soziale Anliegen der Gruppe.

Versammlungslokal, Angebote, Auftreten in der Öffentlichkeit
Die Zusammenkünfte finden abwechslungsweise in Privatwohnungen statt. Auskunft erteilt Ursula Schuppli.

Jeden Sonntag 10.15 «Meeting for worship» (Stille Andacht) abwechslungsweise im CVJM-Lokal am Claragraben oder in einer Privatwohnung. Nur persönliche Einladung.

Literatur, Zeitschrift
1. Christian Faith and practice in the experince of the Society of Friends. London Yearly Meeting of the Religious Society of Friends. London. (mehrere Auflagen).

2. An Introduction to Quaker Beliefs and Practices.

3. Heinrich Otto: Werden und Wesen des Quäkertums und seine Entwicklung in Deutschland. Wien 1972. Sensen. Wien. 1972.

Entre Amis (Schweiz; zweisprachig). Der Quäker (Deutschland). The Friend (England).

[int.Nr.: 1174]