OT, Offene Tür, Christlicher Verein für Lebenshilfe

Kontakt
Offene Tür, Christlicher Verein für Lebenshilfe, Baselstrasse 53.
4125 Riehen. Telefon 061 643 24 60. Fax 061 643 24 61 oder
061 641 06 77. E-Mail: ot.verein@gmx.net 
Internet: http://www.offenetuer.ch

Drogenentzugsstation Sunnehus, Baselstrasse 24, 4125 Riehen.

Fischerhus, Lebens- und Therapiegemeinschaft, Baselstrasse 24.
4125 Riehen.

Gefangenenarbeit, Essigstrasse 39, 4125 Riehen.

Geschichte
Ende der dreissiger Jahre erlebten Rahel und Richard Sallmann in der Oxford-Bewegung eine tiefgreifende Hinwendung zum Glauben. Sie lernten drei vorbestrafte junge Männer kennen und damit die schwierige Situation von Strafentlassenen in der damaligen Zeit. Sie verkauften ihr Haus in Bottmingen und gründeten 1941 den Sonnenhof bei Gelterkinden als Heimstätte für strafentlassene Männer. Bis 1953 lebten dort etwa 180 Strafentlassene für einige Zeit mit dem Ehepaar Sallmann zusammen. 1954 ging das Haus in andere Hände über. In Basel wurde der Verein «Offene Tür» gegründet. 1956 entstand in einem Haus an der Klybeckstrasse ein Übergangsheim. 1956–1961 übernahm der Verein Vormundschaften und Schutzaufsichten und begann mit Gefängnisbesuchen. Im Heim lebten jeweils acht bis neun Entlassene. 1961 wurde ein Fürsorger eingestellt und das Haus (Sonnenheim) an der Davidsbodenstrasse 54 gekauft. Um der Praxis des Kantonsverweises entgegenzuwirken, wurden 1965 in Binningen ein Haus gekauft. Der Kantonsverweis wurde in den folgenden fünf Jahren in Basel und anderen Kantonen abgeschafft. Von 1965 bis in die siebziger Jahre übernahm der Verein eine grosse Zahl von Schuldensanierungen (für ca. 200 000 Franken), bis andere Sanierungshilfen (wie Neustart) entstanden. In den sechziger Jahren entstand auch eine Beratungsstelle und der Verein betreute Angehörige und Familien, bis auch für diese Aufgaben andere Hilfsmöglichkeiten entstanden. In den siebziger Jahren kam es zu vermehrten Kontakten mit anderen Organisationen, die sich um Gefangene und Entlassene kümmerten. Ab 1976 organisierte der Verein monatliche Treffen für Angehörige, ein Jahr später wurde das Sonnenheim als Haus, das Gefangene in Halbfreiheit aufnehmen kann, anerkannt. 1980 übernahm Pfarrer Christoph Meister mit seiner Familie die Leitung von OT. Anfang der achtziger Jahre kam es zu vermehrter Öffentlichkeitsarbeit. 1983 beschloss OT das Fischerhus in Riehen zu mieten und dort eine Lebens- und Therapiegemeinschaft für verurteilte Drogenabhängige, Straffällige und Entlassene auf verbindlicher Glaubensbasis einzurichten. Ein Jahr später wurde das Fischerhus in Riehen unter der Leitung von Pfr. Christoph Meister und dem Schreinermeister Ernst Kipfer und ihren Familien eröffnet.

In der Regel befinden sich etwa zwölf Männer in der Therapie. Bis heute haben etwa 40 Männer einen Entzug und eine ein- bis mehrjährige Therapie in der OT durchlaufen.

Lehre
Die Therapie orientiert sich am Menschenbild der Bibel. Der Mensch ist als Geschöpf Gottes in seiner Geschaffenheit (Geist, Seele und Leib) auf Beziehungen angewiesen. Das Ziel der Therapie ist die Wiederherstellung der gestörten und zerstörten Beziehungsfähigkeit des Menschen zu sich selbst, zu Gott, zu den Mitmenschen, zur Gesellschaft, Umwelt usw. In der gelebten christlichen Gemeinschaft wird ein neues Beziehungsangebot für den Süchtigen erfahrbar. In dem Masse wie er es wagt, sich darauf einzulassen, wird er eine neue Identität in sich heranwachsen sehen.

Sucht ist ein unabweisbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebenszustand. Diesem Verlangen werden alle Bereiche der menschlichen Existenz untergeordnet, soziale Bindungen werden vernachlässigt oder zerstört, die Entwicklung in verschiedenen Bereichen beeinträchtigt oder verhindert. Hinter der Drogensucht steckt die Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens und der Welt. Sinnfindung und Persönlichkeitsentwicklung sind voneinander abhängig. Drogen ermöglichen es, die Sinnfrage zu betäuben und sich den Anforderungen der Persönlichkeitsentwicklung zu entziehen.
Die Therapie, zu der verschiedene psychologische, sozialtherapeutische und sozialpädagogische Elemente gehören, setzt bei der Frage nach dem Sinn des Lebens ein. Die christliche Antwort auf die Sinnleere der Drogenabhängigen hilft zur Identitätsfindung. Die Therapie spielt sich in einem familiären Rahmen ab, der den Teilnehmern ein soziales Übungsfeld bietet. Zur Therapie gehören eine biblische Lebensschulung und seelsorgerlich-therapeutische Einzel- und Gruppengespräche.

Zu den therapeutischen Inhalten gehören:

  • Die Vermittlung von Wahrheitsgrundsätzen auf der Grundlage des biblischen Menschen- und Weltbildes. Christliche Werte wie Wahrhaftigkeit, Liebe, Versöhnungsbereitschaft, Treue, Annahme, Verbindlichkeit, Gemeinschaft u.a. sollen auf dem Fundament und aus der Kraft des Evangeliums heraus geweckt, gefördert und als neuer Lebensstil zugänglich gemacht werden.
  • Das Aufarbeiten und die Annahme der eigenen bisherigen Lebensgeschichte durch Selbsterkenntnis und Versöhnung dem Schöpfer, sich selbst, der Herkunftsfamilie und der Gesellschaft gegenüber.
  • Die Rücknahme von Projektionen durch Erkennen, Aktzeptieren und Loslassen von Eigenschuld sowie der Vergebung von Fremdschuld.
  • Die Analyse und Reflexion vorhandener destruktiver Kommunikations- und Verhaltensmuster; damit verbunden das Erlernen und Einüben neuer Denk- und Verhaltensabläufe.
  • Die Befreiung von und die Veränderung im Umgang mit zerstörerischen Einflüssen.
  • Das Gebet, das Musizieren und der Gesang dienen als unterstützende Faktoren der reflektierenden Therapie.

Die Therapie verläuft in mehreren Stufen (Einleben – Beziehungen aufbauen – Verantwortung übernehmen – Austrittsphase).

Zu den Therapieangeboten gehören Einzel- und Gruppentherapien, Arbeits- und Beschäftigungsbereiche (in Schreinerei, Gartenbau, Gemüsegarten, Atelier und Haus) mit der Möglichkeit einer Lehre als Schreiner oder Landschaftsgärtner. Gefördert wird auch eine sinnvolle Freizeitgestaltung (zu den internen Angeboten gehören ein Fotolabor, ein Fitnessraum, eine Sauna u.a.). Dazu kommt eine sozialarbeiterische Begleitung im finanziellen Bereich (Schuldensanierung, Umgang mit Geld), im Umgang mit Behörden, bei der Arbeits- und Wohnungssuche etc.

OT arbeitet sowohl mit Freikirchen wie mit der Landeskirche und der katholischen Kirche zusammen, und zwar nicht nur wenn es um Drogen geht, sondern auch zum Beispiel wenn sie von einer Gemeinde eingeladen wird, um dort zu singen etc.

Das Fischerhuus und das Sunnehuus sind Mitglied bei der ACL-CH (Arbeitsgemeinschaft christlicher Lebenshilfen in der Schweiz).

Organisation, Finanzen
Die Offene Tür ist als Verein organisiert und wird zudem von einem Freundeskreis unterstützt. Daneben gibt es noch eine Stiftung.

Bedingung für die Teilnahme an einer Therapie im Fischerhus ist der Verzicht auf Suchtmittel jeder Art.

Der Tagessatz von 175 Franken wird von der Fürsorge oder dem Justizdepartement bezahlt. Die meisten Teilnehmer kommen von sich aus, doch manchmal werden sie auch auf Grund eines Urteils (therapeutische Massnahme statt Gefängnis) in die Therapie geschickt.

Weiter wird OT durch Spenden aus dem Freundeskreis und durch die IV unterstützt. Auch die Gemeinde Riehen leistet einen kleinen Beitrag. Es gibt eine offene Jahresrechnung. Der Verein hilft auch mit einem Schuldensanierungsfonds Ehemaligen, ihre oft hohen Schulden zu begleichen.

Versammlungslokal, Angebote, Auftreten in der Öffentlichkeit
Das Haus, in dem sich die Entzugsstation befindet, gehört der Stiftung, dazu kommen noch mehrere gemietete Häuser. Im Fischerhus befinden sich die Zimmer der Therapieteilnehmer, eine grosse Küche, Gemeinschaftsräume, Büros etc. Dazu kommen in anderen Gebäuden die verschiedenen Werkstätten, ein Laden usw.

Das Haus an der Davidsbodenstrasse 54 gehört zwar ebenfalls der Stiftung, darin befindet sich aber eine Frauen-Wohngemeinschaft, die nichts mit der Offenen Tür zu tun hat.

Sunnehus: Drogenentzugsstation, wo Entzüge in verschiedener Form (kalt oder medikamentös unterstützt) durchgeführt werden. Platz für bis zu drei Personen.

Fischerhus: staatlich anerkannte christliche Lebens- und Therapiegemeinschaft für bis zu 12 Männer; ein bis zwei Jahre Therapie mit persönlicher Seelsorge, biblischer Schulung, Beziehungstraining, praktischer Arbeit.

Gassenarbeit mit Drogensüchtigen durch die «Gassenfischer», um Kontakte herzustellen und zu erhalten.

Ein Mitarbeiter betreut Gefangene, er ist nicht nur Mitglied in der OT, sondern auch in der Prison Fellowship Switzerland, einem Zweig einer amerikanischen Organisation, die sich besonders um Gefängnisinsassen kümmert.

Jedem Teilnehmer an der Therapie wird ein Seelsorger zugeteilt, der sich regelmässig um ihn kümmert. Daneben gibt es Seelsorge auch bei Bedarf. Die Seelsorger haben ursprünglich verschiedene Ausbildungen (theologisch, als Sozialarbeiter, aber auch in praktischen Berufen), sie verfügen über viel Erfahrung und werden zudem in Kursen weitergebildet. Während der Therapie werden Konflikte auch in den vielen Gruppengesprächen gelöst.

Die Mitarbeiter unterstützen sich gegenseitig, suchen aber unter Umständen auch seelsorgerliche Hilfe für sich selbst ausserhalb.

Auf Anfrage besuchen ehemalige Drogensüchtige Schulen, Konfirmationsklassen etc., um von ihrer Lebenserfahrung zu berichten. Solche Präventiveinsätze finden fast jede Woche statt.

Die Betriebe Schreinerei und Gartenbau führen Kundenaufträge aus.
Fischerhaus-Schreinerei, Stiftsgässchen 16, 4125 Riehen.
Telefon / Fax 061 601 06 60.

Fischerhaus-Gartenbau, Wenkenstrasse 1, 4125 Riehen.
Telefon 061 641 11 70.

Gassenarbeit, Präventionsarbeit, Lädeli in Riehen, Vorträge zum Beispiel an Konferenzen, Berichte in Zeitungen.

Literatur, Zeitschrift
Leben will gelernt sein, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Lebenshilfen in der Schweiz stellt sich vor. ACL-CH, Dynamis Verlag Kreuzlingen 1992.

Der Verein christlicher Fachleute im Rehabilitations- und Drogenbereich VCRD (Elfenauweg 9, 3006 Bern.
Telefon / Fax 031 351 82 81) plant ein Buch mit Berichten von Ehemaligen.

OT BRIEF.

Info-Organ der Offenen Tür, erscheint vierteljährlich

[int.Nr.: 1141]