Chrischona-Gemeinden /
Verein Chrischona-Gemeinden Schweiz

Kontakt
Geschäftsstelle der Chrischona-Gemeinden Schweiz, Hauentalstrasse 138, 8200 Schaffhausen. Telefon 052 620 27 77. Fax 052 624 02 07.
Internet: www.chrischona.ch
E-Mail: gemeinden.ch@chrischona.org

Geschichte
1840 begann Christian Friedrich Spittler (1782–1867) in der Kirche St. Chrischona mit der Ausbildung junger Männer für den missionarischen Dienst. Schon seit 1801 war Spittler Sekretär der «Deutschen Christentumsgesellschaft» in Basel. Neben der Pilgermission entstanden auf seine Initiative auch andere Werke, 1815 die Basler Missionsgesellschaft, 1820 die Kinderrettungs- und Lehrerbildungsanstalt in Beuggen, 1830 die Taubstummen-anstalt in Beuggen, später in Riehen, 1846 das Kinderspital in Basel, 1852 das Diakonissenhaus in Riehen u.a. Er wollte mit seiner «Pilgermission» der zunehmenden Säkularisierung ein Mittel entgegensetzen. Die «Pilgermissionare» sollten mit dem Evangelium von Jesus Christus «zu den Leuten» gehen.

Unter seinem Nachfolger Carl Heinrich Rappard (ab 1868) entstand das Prediger- und Missionsseminar und damit die erste nichtakademische theologische Ausbildung im deutschen Sprachraum. Als Folge ihrer ausgedehnten Tätigkeit entstanden innerhalb der evangelischen Kirche Gemeinschaftskreise» – die ersten 1869 in der Schweiz, 1875 in Deutschland und 1876 in Frankreich. Sie wurden nach dem Namen der Ausbildungsstätte «Chrischona-Gemeinschaften» genannt. Von 1909–1946 leitete Rappard’s Schwiegersohn Friedrich Veiel das Werk. 1909 wurde in einem damals progressiven Schritt eine Bibelschule für Frauen gegründet. 1925 entstand das Diakonissen-Mutterhaus. Leiter von 1947–1967 war Hans Staub, dann bis 1991 Edgar Schmid. Seit 1991 leitet Karl Albietz das Werk.

Im Laufe der Zeit entstanden über 30 verschiedene Werke der inneren und äusseren Mission. Neben dem Theologischen Seminar gibt es das Diakonissen-Mutterhaus, eine Hotel- und Heimkette, der Brunnenverlag und über 20 verschiedene Buchhandlungen. In sechs verschiedenen Ländern gibt es 175 Chrischona-Gemeinden.

Lehre
Die Pilgermission St. Chrischona ist ein evangelisches Werk und versteht sich als Teil der weltweiten Gemeinde Jesu Christi.

Glaubensgrundlage ist das Apostolicum (Apostolisches Glaubensbekenntnis) sowie das Glaubensbekenntnis der Evangelischen Allianz und die sogenannte «Lausanner Erklärung».

A) Der eine Herr
Im Mittelpunkt steht das Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Herrn und Erlöser, dem lebendigen Sohn Gottes und Haupt seiner Gemeinde. Mit den Kirchen der Reformation verbindet die Gewissheit, dass der Mensch allein durch den Glauben an Jesus Christus Rettung erfährt.

B) Das eine Wort
Die Bibel ist die alleinige Autorität und Richtschnur in allen Fragen des Glaubens und der Lehre, des Dienstes und des persönlichen Handelns. Sie ist Offenbarung des Willens Gottes.

C) Der persönliche Glaube
Gottes Heilsangebot in Vergebung und Erlösung durch Christus erfordert die Antwort des Menschen. Diese Antwort muss jeder für sich selbst geben und im Glauben Gottes Geschenk persönlich annehmen.

D) Die Gemeinde der Glaubenden
Der Aufnahme in die Freikirche geht die persönliche Heilserfahrung, das Bekenntnis des Glaubens an Jesus Christus und die freie Entscheidung zur Mitgliedschaft in einer örtlichen Gemeinde voraus. Mit der Mitgliedschaft verbindet sich eine aktive Beteiligung am Leben der Gemeinde und verantwortliche Mitarbeit durch persönliches Engagement auf verschiedenartigste Weise. Die Gemeinden werden allein durch die absolut freiwilligen finanziellen Beiträge ihrer Mitglieder und Freunde getragen.

E) Der Auftrag zur Mission
Weil das Evangelium allen Menschen gilt, ist der Ruf zur Hinwendung zu Gott und in die Gemeinde eine vordringliche und weltweite Aufgabe. Das erlebte Heil wirkt sich im teilenden und helfenden Dienst am Mitmenschen aus.

F) Das zukünftige Reich Gottes
Die Wiederkunft Jesu bewahrt vor Resignation im Blick auf die Nöte dieser Welt. Sie hilft, die Verantwortung in unserer Gesellschaft wahrzunehmen. Sie schützt aber auch vor der Illusion, in eigener Kraft das Paradies auf Erden zu schaffen. Sie schenkt die Freude auf eine Zukunft in der neuen Schöpfung, wo Christus sichtbar Herr seines Reiches sein wird.

Die Chrischona-Gemeinden gehören zum «Verband evangelischer Freikirchen und Gemeinden» (VFG) und zur Evangelischen Allianz.
(Details zur Zusammenarbeit mit anderen christlichen Kirchen siehe unter «Pilgermission!»).

Organisation, Finanzen
Die Gemeinde wird durch den Ältestenrat (drei bis fünf Mitglieder, inkl. Prediger) geleitet. Dazu kommt ein Mitarbeiterrat (zehn Mitglieder) für organisatorische Fragen. Zusammen bilden sie die Erweiterte Gemeindeleitung. Vierteljährliche Gemeindeversammlungen.

In den Gemeinden gilt das allgemeine Priestertum der Gläubigen, deren ehrenamtliche Arbeit wichtig ist, es gibt kein starres Verständnis der Ämter. Frauen sind auch in der Gemeindeleitung tätig, sie können predigen, das Abendmahl austeilen etc., wobei sich die einzelnen Gemeinden in dieser Beziehung voneinander unterscheiden können, je nachdem wie konservativ sie sind.
Die Mitgliedschaft in den Gemeinden ist unabhängig von der Taufe, das heisst sowohl die Kinder- wie die Erwachsenentaufe wird anerkannt, es gibt keine Wiedertaufe. Für die Mitgliedschaft genügt es, wenn jemand als bewusster, auf der Bibel fundierter Christ leben will und sich persönlich zum christlichen Glauben bekennt. Die Gemeindeleitung prüft die Ernsthaftigkeit des Interessenten («Gemeindetourismus» ist nicht erwünscht). Im Allgemeinen verläuft die Aufnahme recht formlos.

Die Gemeinden leben von Spenden. Der biblische Zehnten wird gelehrt.

Es wird jährlich eine Rechnung veröffentlicht.

Versammlungslokal, Angebote, Auftreten in der Öffentlichkeit
Die einzelnen Chrischona-Gemeinden haben jeweils ihre eigenen Räume.

Die Gemeinden bieten an: Sonntags-Gottesdienst, Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit.

Gemeinde-Bibelabende, Hauskreise, Kreativ-Kreis (Handarbeiten für Gemeindebazar etc.).

Besuchsdienst.
Die Prediger sind für die Seelsorge besorgt.

Die Öffentlichkeitsarbeit ist Sache der einzelnen Gemeinden, in Zusammenarbeit mit der Medienstelle des Verbandes.

Literatur
Einheit in der Vielfalt. Aus 150 Jahren Evangelischer Allianz. Herausgegeben von Werner Beyer. Mit Beiträgen von Rolf Hille, Rolf Schffbuch, Hartmut Steeb. R. Brockhaus Verlag Wuppertal und Zürich 1995. (160 S.) TB.

[int.Nr.: 1083]