Strukturen

Die beschriebenen Gemeinschaften haben ganz unterschiedliche Strukturen. Nachfolgend skizzieren wir mögliche Formen.

Öffentlich-rechtliche Körperschaften
Im Kanton Basel-Stadt haben die Evangelisch-reformierte, die Römisch-Katholische und die Christkatholische Kirche und die Israelitische Gemeinde Basel den Status von öffentlich-rechtlichen Körperschaften. (Verfassung des Kantons Basel-Stadt, § 19).

Im Kanton Basel-Landschaft sind die Evangelisch-reformierte, die Römisch-Katholische und die Christkatholische Kirche als Landeskirchen anerkannt und sind damit «öffentlich-rechtliche Körperschaften mit eigener Rechtspersönlichkeit». Die übrigen Religionsgemeinschaften unterstehen dem Privatrecht. (Kirchengesetz vom 3. April 1950 [Fassung vom 9. März 1989]).

Öffentlich-rechtliche Körperschaften sind zwar vom Staate weitgehend autonom, aber sie erhalten von der Steuerverwaltung Auskünfte über die finanziellen Verhältnisse ihrer Mitglieder und dürfen Kirchensteuern erheben.

Dem Staat gegenüber haben sie aber auch Pflichten. So müssen sie eine demokratische Struktur haben und durch Mehrheitsbeschluss eine Kirchenordnung, die im Einklang mit den staatlichen Gesetzen steht, angenommen haben.

Die Mitgliedschaft wird durch die Geburt erworben. Das heisst, aufgrund der Mitgliedschaft der Eltern oder eines Elternteils wird ein Kind automatisch Mitglied. Bei der Israelitischen Gemeinde Basel muss die Mutter jüdisch sein, um die Mitgliedschaft an Kinder weitergeben zu können. Ein Beitritt ist grundsätzlich möglich. Beim Zuzug aus einem anderen Ort meldet die Einwohnerkontrolle die neuen Einwohnerinnen und Einwohner bei den Kirchen an.

Mitglieder können schriftlich austreten. Dies gilt auch für jene, die nie selber den Beitritt erklärt haben, sondern in die Kirche hineingeboren sind.

Alle anderen Religionsgemeinschaften können sich nach dem Zivilgesetzbuch nur als Verein oder Stiftungen organisieren. Sie haben kein Recht, mit Hilfe des Staates Kirchensteuern einzutreiben

Verein
Zwangsläufig ist ein Verein nach ZGB eine der häufigsten Rechtsformen von Religionsgemeinschaften. Sie ist nötig, um ein Post- oder Bankkonto zu eröffnen, das auf den Namen der Gemeinschaft und nicht auf eine Person lautet. Manche der «Vereine» bestehen nur aus dem Vorstand und haben keine andere Funktion als die Verwaltung des Geldes. So sagt die Zahl der Vereinsmitglieder meistens wenig aus über die Zahl der Menschen, die zu der Gemeinschaft gehören. Auch Dachverbände können die rechtliche Form von Vereinen haben wie zum Beispiel Vitabâle Evangelische Arbeitsgemeinschaft, der nur Freikirchen als Mitglieder beitreten können.

Freikirche oder Freiwilligkeitskirche
Im Unterschied zur «Staatskirche» ist eine Freikirche völlig vom Staat unabhängig. Ausserdem ist es im Normalfall eine «Freiwilligkeitskirche», in der die Mitgliedschaft ganz auf eigener Glaubensentscheidung beruht. (Rössler S. 95) Meistens geht dem Beitritt die Erwachsenen-, resp. Gläubigentaufe voraus.

Die Evangelisch-Methodistische Kirche tauft zwar auch Kinder, verlangt aber für die Vollmitgliedschaft den persönlichen Entscheid.

Eine Passivmitgliedschaft ist zwar auch bei mancher Freikirche möglich, ist aber im Gegensatz zu einer Volkskirche doch eher die Ausnahme.

Manche Freikirchen kennen keine formelle Mitgliedschaft. Jeder «wiedergeborene Christ» gilt als Mitglied.

Einzelne Freikirchen unterscheiden zwischen der Gemeinde, die für die geistlichen Belange zuständig ist und einem Verein, der die Verantwortung für die finanziellen Aspekte trägt und zum Beispiel für ein Bank- oder Postkonto unterschriftsberechtigt ist. Oft besteht dieser Verein nur aus einer Handvoll Mitgliedern.

Einzelne Gemeinschaften entwickelten sich im Verlauf der Zeit von einer evangelikalen Gemeinschaft innerhalb der Evangelisch-reformierten Kirche zur Freikirche. So zum Beispiel die Albanarbeit.

Eine spezielle Situation besteht für Kirchen, die in unserer Region Minderheitskirchen sind, wie zum Beispiel die Anglikanische oder die Lutherische. Sie sind der Organisationsform nach gezwungenermassen Freikirchen, aber keine Freiwilligkeitskirchen. (Rössler S. 132)

Informelle Gemeinschaft
Etliche Religionsgemeinschaften haben nur informelle Strukturen. Das heisst, es gibt keine eigentliche Mitgliedschaft und keine offizielle Leitung. Dazu gehören christliche Freikirchen, die meisten islamischen, buddhistischen und hinduistischen Vereinigungen.

Stiftung
Wenige Gemeinschaften sind als Stiftung konstituiert. Einer der Gründe gegen die Einrichtung von Stiftungen dürfte sein, dass eine Stiftung schwerfällig ist.

Meist geht es um Hausbesitz, wenn diese Rechtsform gewählt wird, so zum Beispiel bei folgenden Stiftungen: Communauté de Grandchamp, Islamische König Faysal Stiftung, Diakonissenhaus Riehen, Staatsunabhängige Theologische Hochschule Basel.

Einzelne Gemeinschaften ohne Hausbesitz sind Stiftungen: Stiftung Chalice, Siddha Yoga Stiftung Schweiz, Cem Vakfi Isviçre Basel ve Baselland Subesi, Stiftung zur Verbreitung der Gralsbotschaft.

Werk
Neben den eigentlichen Religionsgemeinschaften gibt es eine Anzahl von christlichen Werken, die sich normalerweise eine spezielle Aufgabe gestellt haben aus den Bereichen Evangelisation, Erwachsenenbildung oder Diakonie.

Die Schweizerische Traktat-Mission versteht sich als «eine Vereinigung evangelischer Christen, die sich über Gemeinde- und Kirchengrenzen hinweg sammeln, um das Wort der Bibel – nach dem Befehl Jesu – auszubreiten. … Als Kirche unterwegs unterstützt sie den Dienst der kirchlichen und freikirchlichen Verkündigung.» Dieses Selbstverständnis könnte für die Mehrheit der christlichen Werke als Definition verwendet werden.

Werke haben unterschiedliche Organisationsformen: Verein, Stiftung, informelle Gemeinschaft.

Die Mitglieder, Mitarbeitenden und Unterstützenden der Werke sind Glieder christlicher Kirchen oder Freikirchen. Einzelne Werke sind initiiert oder werden getragen von einer oder sogar mehreren Landeskirchen, wie das «Forum für Zeitfragen» oder «Telefon 143 – Die Dargebotene Hand».

Es gibt auch in anderen Religionen einzelne Werke wie zum Beispiel die islamische Hilfs- und Entwicklungsorganisation «Islamic Relief».

Dachverband, Zusammenschluss, Interessengemeinschaft
Zur Förderung übergemeindlicher Zusammenarbeit bestehen eine Reihe von Zusammenschlüssen im christlichen, muslimischen und auch im interreligiösen Bereich. Die Verbindlichkeit und die Organisationsform ist verschieden. Gemeinsam ist alle diesen Verbänden, dass die Autonomie der angeschlossenen Kirchen oder Gemeinschaften nicht angetastet wird.

Die mitgliederstärksten sind die Arbeitsgemeinschaften christlicher Kirchen Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Im evangelikalen Bereich sind zur Zeit in unserer Region zwei aktive Zusammenschlüsse: Vitabâle Evangelische Arbeitsgemeinschaft und die Evangelische Allianz mit verschiedenen lokalen Sektionen.

Die Basler Muslim Kommission ist ein Versuch, die sunnitischen islamischen Gemeinschaften an einen Tisch zu bekommen und mit einer Stimme aufzutreten.

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